Wer Naturkosmetik kennt, kennt auch die Produkte von PRIMAVERA LIFE. In vielen Biosupermärken, Reformhäusern und Apotheken sind mittlerweile die unterschiedlichsten Produkte mit der Frühlingsgöttin im goldenen Oval zu finden. Von ätherischen und fetten Ölen als Grundlage der selbstgemachten Naturkosmetik bis hin zu fertigen Pflegeprodukten und Raumbeduftung hat PRIMAVERA LIFE alles zu bieten. Seit nunmehr über 30 Jahren besteht diese besondere Firma, für die Mensch und Natur im Mittelpunkt stehen. Jeden Freitag gibt es dort eine Hausführung, um den Kunden zu zeigen, was hinter der Firmenphilosophie steckt. Kunden finden hier nicht nur Naturprodukte in bester Qualität, sondern auch die Möglichkeit, in vielfältigsten Seminaren Wissen über die dufte Welt der Aromatherapie zu erhalten.

 

Wir haben die Chance bekommen, uns im Austausch mit Ute Leube, der Gründerin von PRIMAVERA LIFE selbst ein Bild zu machen von der Firma mit dem wohl schönsten Bürogebäude der Welt.

 

 

 

 

Liebe Ute, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst für unsere Fragen!

1. Wie hast Du zu den ätherischen Ölen gefunden?

Jonas Weiss, der Gemüselieferant unseres Münchner Naturkostladens hielt mir ein Ölfläschchen unter die Nase und erzählte mir von seiner Entdeckung. Ich war eher befremdet als begeistert, aber dann hat mich die Neugier gepackt und ich habe ein Aromatherapieseminar bei Susanne Fischer-Rizzi mitgemacht. An diesem Wochenende hat es mich „erwischt“ und die Begeisterung für ätherische Öle hat mich nicht mehr verlassen.

2. Was war die Motivation für die Gründung von PRIMAVERA LIFE?

Öle bester Qualität für heilsame Zwecke und zur Steigerung von Lebensqualität finden und verfügbar machen.

3. Als PRIMAVERA LIFE 1986 gegründet wurde, gab es doch kaum Wissen über Aromatherapie und die Wirkungen der Öle? Woher habt ihr eure Informationen bekommen?

Susanne Fischer-Rizzi hatte das Wissen aus ihren Phytotherapie- und Alchemie-Studien und es gab damals schon das Buch von Robert Tisserand „Aromatherapie“. Wir haben selber ausprobiert und viele Erfahrungen sammeln können.

 

Besonderes Merkmal von PRIMAVERA LIFE – die Anbaupartner

4. Eines Eurer besonderen Merkmale sind Kooperationen mit Biobauern, die für Euch die Pflanzen anbauen und die Öle herstellen. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?

Es ist leicht, Öle so zu verfälschen, dass selbst eine geübte Nase es nicht unbedingt herausfindet. Heute hilft uns die hauseigene Analytik, aber damals mussten wir sie teuer in Auftrag geben. Deshalb hatten wir die Idee, direkt beim Produzenten einzukaufen. Wir wollten ihn persönlich kennen, seine Arbeitsweise erleben und unsere Qualitätswünsche erfüllt sehen. Dass es Bioanbau sein musste, war selbstverständlich, weil es damals schon unserem Qualitäts- und Nachhaltigkeitsverständnis entsprach. „Geben und Nehmen“ im Einklang mit Mensch und Natur.

5. Wer war wo das erste Anbauprojekt? Wird es in Zukunft noch weitere Anbauprojekte geben?

1987 begannen wir, mit Ulli Wentzler von Terra Provence zusammenzuarbeiten. Er hatte zunächst eine eigene kleine Produktion in der Provence und wurde dann zunehmend der Koordinator von verschiedenen Anbauern und Sammlern in Frankreich, Portugal, Marokko und immer mehr Ländern. 1989 begann die Zusammenarbeit mit Nuri Kalay in der Türkei und inzwischen haben wir 13 Partner. Der letzte in Kambodscha kam 2016 dazu, aber alle anderen arbeiten schon 20-30 Jahre mit uns. Es wird in Zukunft sicher weitere Projekte geben.

 

Im Einklang mit der Natur

6. Nachhaltigkeit und Artenvielfalt sind Begriffe, die auch in der Haltung von PRIMAVERA LIFE zu finden sind. Was dürfen sich die Kunden genau darunter vorstellen?

Es ist uns wichtig, dass wir nicht nur von der Natur nehmen, sondern ihr auch etwas zurückgeben. Dabei sind uns der Einsatz von natürlichen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln genauso wichtig wie faire Handelsbedingungen. Wir wollen hochwertige Öle aus hochwertigen Pflanzen, und die gedeihen auf gesunden Böden, die auch nachhaltig Erträge bringen. Das ökologische Gleichgewicht spielt dabei eine große Rolle und ist ohne Artenvielfalt nicht vorstellbar.

7. Ihr habt ein großes Sortiment – manchmal fällt auf, dass ein ätherisches Öl nicht lieferbar ist, woran liegt das?

Wir kaufen nicht „von der Stange“, sondern von unseren Partnern und anderen ausgesuchten Lieferanten, die unsere Qualitätsvorstellungen erfüllen. Wenn ein Öl ausverkauft ist, müssen wir auf die nächste Ernte warten. Wenn eine ganze Ernte aus klimatischen (z.B. wenn wegen Trockenheit nur die Hälfte des geplanten Ernteertrages eingebracht wird) oder politischen (z.B. hat Brasilien mal 2 Jahre lang den Export von Rosenholzöl verboten) Gründen ausfällt, haben wir nicht immer eine Alternative. Wenn ein Öl verunreinigt ist wie zuletzt das Cajeputöl, und alle uns verfügbaren Muster die gleiche Verunreinigung zeigen, können wir das Öl nicht anbieten.

 

Auch „auf und ab“ gehören dazu

8. Manchmal im Leben steht man vor großen Herausforderungen – was war für Dich als Geschäftsführerin die größte Herausforderung, die Du meistern musstest?

Krisen gehören zum Leben dazu. Aber unsere größte Krise 2002/2003 war existentiell und hat mich bis an meine Grenzen gebracht. Im Rückblick will ich nicht drauf verzichten, weil ich viel gelernt habe für die nächsten Herausforderungen, aber damals war es unerträglich hart.

9. Was war der größte Erfolg, den Du im Laufe der Jahre als Gründerin und Geschäftsführerin mit PRIMAVERA LIFE erlebt hast?

Schwer zu sagen, es gibt so viele Erfolge in unserer Geschichte, die groß für mich sind. Vielleicht ist das Schönste, dass wir mit unseren Ölen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gelandet sind – das war bei der Gründung vor 30 Jahren unser Wunschtraum und ist heute Wirklichkeit. Auch Bio ist kein „Spinnertum“ mehr, sondern selbstverständlich geworden.

 

Naturkosmetik von Anfang an

10. Es gibt ja einen großen Markt mit Naturkosmetik. Woran kann der Kunde erkennen, dass er wirklich Naturkosmetik vor sich hat und nicht nur gutes Marketing?

Der Kunde sollte immer ein unabhängiges Zertifikat (bei uns NATRUE) auf dem Produkt finden. Das erfüllt den Mindeststandard von Naturkosmetik und damit den Verzicht auf synthetische und Erdöl-Inhaltstoffe, sagt aber noch nichts über die Produktqualität aus. So wie man ein Olivenöl für 4 € oder für 40 € kaufen kann – je nach Qualitätsanspruch – so hat man auch die Wahl bei naturkosmetischen Produkten.

11. Worin liegt der Unterschied zwischen normalen Kosmetikprodukten und der Naturkosmetik?

Konventionelle, „normale“ Kosmetik arbeitet hauptsächlich mit Erdöl-Derivaten und synthetischen Inhaltsstoffen, die den Vorteil haben, standardisiert und damit immer gleich zu sein. Das bietet große Vorteile für die Produktion und die Kundenerwartung.

Zertifizierte Naturkosmetik setzt in der Regel (es gibt auch Standards, die 5% Synthetik erlauben) ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe ein. Je weniger die bearbeitet sind (z.B. nicht entfärbt oder entduftet), umso lebendiger und wirksamer sind sie. Das hat aber auch den Nachteil, dass sie jedes Jahr – wie guter Wein, je nach Klima – etwas anders zusammengesetzt sind und eventuell eine bisher stabile Lotion bei gleicher Rezeptur unstabil machen. Unsere Chemiker müssen dann mit viel Rohstoffkenntnis in der Lage sein, die Stabilität wieder herzustellen und ein Produkt zu liefern, das die Kundin wiedererkennt.

12. Welche Produkte sind derzeit am gefragtesten?

Die puren ätherischen Öle sind nach wie vor unsere Favoriten, wobei Lavendelöl seit 30 Jahren an der Spitze steht.

13. Kannst Du uns etwas besonders Spannendes erzählen, das Du mit den Wirkungen der Pflanzenprodukte erlebt hast?

Ich bin immer besonders berührt, wenn ich höre, was die Öle in Altenheimen und Hospitzen bewirken. Wenn teilnahmslose Augen lebendig werden, weil ein Duft Erinnerungen weckt, wenn eine duftende Handmassage lebenswichtige Zuwendung bringt, wenn Angst genommen, Entspannung gegeben, Freude ausgelöst wird und einfach ein Stück mehr Lebensqualität möglich ist. Die Pflegenden können stundenlang berichten, warum ätherische und fette Öle aus der Pflege nicht mehr wegzudenken sind, weil sie gleichsam wichtig für Klienten, Pflegende und Angehörige geworden sind.

 

Der Blick in eine dufte Zukunft

14. Alles ist immer im Wandel – daher: Was ist Dein Wunsch für die Zukunft Deiner Firma? Wohin soll es für PRIMAVERA LIFE gehen?

Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft direkter in Austausch mit unseren Kunden kommen und ihre Wünsche noch besser erkennen und erfüllen können. Dazu gehört auch, den Nutzen und Wert unsere Naturprodukte mit wenigen, einfachen Worten verständlich zu machen in einer Zeit, in der keiner mehr Zeit hat.

Ich wünsche mir, dass die Bioanbauflächen immer größer werden und dass immer mehr Menschen erkennen, wie lebenswichtig natürliche Produkte sind.

Ich wünsche mir, dass PRIMAVERA LIFE auch in Zukunft einen Betrag dazu leisten kann, unsere Welt wenigstens ein bisschen heiler und lebenswerter zu machen.

 

Dufte Selbstfürsorge und Work-Health-Balance

15. Was ist Dein Lieblings-Öl (ätherisches und fettes Öl) und warum?

Das ändert sich je nach meiner persönlichen Situation. Zur Zeit kommt mein wichtigstes Öl aus der Angelikawurzel. Es stärkt mich, macht mich mutig, erded und nährt mich. Als ich kürzlich 2 Wildkräuter-Prüfungen ablegen musste, hat es mir meine extreme Prüfungsangst genommen – wirklich eindrucksvoll!

Bei den fetten Ölen begeistern mich nach wie vor die Samenöle und speziell das Granatapfelsamenöl. Sie ziehen sofort ein und haben große Wirkung auf das Hautgefühl. Wenn ich mir vorstelle, dass aus einem winzigen Samenkorn ein ganzer Busch oder Baum wachsen kann, weiß ich warum.

16. Mit welchen der Naturkosmetik-Produkte pflegst Du Dich gerne?

Mit unserer Revitalpflege, vor allem Serum und Samenölkapseln. Beides in der Hand vermischen und auf die gereinigte Haut geben – sie saugt es auf und strahlt.

17. Was machst Du gerne, wenn Du Dich nicht um die Firma kümmerst? Gibt es einen besonders schönen Ort, den Du uns in der Region empfehlen kannst?

Ich bin gerne in der Natur und beschäftige mich mit Wildkräutern (Schwerpunkt Räuchern), Sterbebegleitung ist ein großes Thema, aktiver und passiver Musikgenuss ist lebenswichtig, meine Kinder und die kleine Enkelin Frida sind meine schönste Herzensangelegenheit.

Das Allgäu ist voller schöner Orte. Spontan fällt mir der Falkenstein in Pfronten ein, mit der Mariengrotte und der Burgruine, an deren Platz König Ludwig sein nächstes Schloss bauen wollte. Da oben kann man gut essen und es gibt von dort einen herrlichen Wanderweg nach Füssen.

18. Gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern mit auf den Weg geben willst?

Die Weisheit der Natur ist größer als unsere eigene. Je weniger wir eingreifen, umso mehr bekommen wir von ihr. Sie hat alles, was wir brauchen.

 

Was sind eure Lieblingsprodukte von PRIMAVERA LIFE? Schon mal im Allgäu bei PRIMAVERA vorbeigeschaut?

 

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