Die Rose verzaubert uns mit ihrem Anblick, den zarten bis kräftigen Farben und vor allem mit ihrem betörenden Duft. In sehr vielen Kulturen gilt sie als Symbol der Liebe, der Leidenschaft. Das ätherische Öl, das in ihren Blättern steckt, ist so kostbar und wertvoll, dass es schon seit jeher zum Verfälschen und Strecken des wertvollen Duftes einlädt. Mit über 500 verschiedenen Inhaltsstoffen gilt es als eines der komplexesten Öle, die es in der Aromatherapie gibt. So war es schon fast überfällig, dass wir uns auf die Reise begeben – nach Bulgarien, genauer gesagt: ins Tal der Rosen. Denn von dort soll das beste Rosenöl kommen. Jetzt erzähle ich etwas von der Reise, im zweiten Teil erfährst Du mehr über das ätherische Öl dieser besonderen schönen Blüte.

Zwischen dem Balkangebirge und der Gebirgskette Sredna Gora, 200 km entfernt von Sofia, liegt das besagte Tal, in dem es kilometerweit Rosenfelder gibt. Die Rose blüht normalerweise Anfang bis Mitte Mai, doch da sich das Weltklima verändert, verändert sich auch viel auf den Feldern. Das hat uns die Möglichkeit gegeben, auf dieser wunderbaren Rosenreise den Prozess von der Knospe bis hin zur geöffneten Blüte mitzuerleben.

 

Unsere Rosenreise Gold 2017

Fangen wir mal von vorne an. Da Bulgarisch nicht unsere Stärke ist, haben wir mit Ekaterina eine perfekte Reiseführerin gefunden. Zudem ist sie mit Leib und Seele eine Rosenreisende, die sich den Rosen und ihrem betörenden Duft verschrieben hat. Dieses Jahr waren die Freiheitsreisenden Teil einer besonderen Gruppe von vielen erfahrenen Aromatherapeuten und Aromaexperten; darunter – man mag es kaum glauben – (mit uns) vier rosenreisende Männer. Vom Frankfurter Flughafen ging es direkt in die Hauptstadt Sofia, die mit ihren unschön wirkenden Plattenbauten an die sozialistische Zeit erinnert. Von dort fuhren wir zweieinhalb Stunden lange mit einem alten Bus auf einer immer holpriger werdenden Straße nach Kalofer inmitten des Gebirges.

 

Ein einfaches Leben auf dem Land

Das Land, das wir erleben durften, ist sehr ursprünglich, mit viel Grün und unberührter, vielfältiger Natur. Hier mussten keine Flüsse renaturiert werden, weil sie erst gar nicht begradigt wurden. Man hat das Gefühl, hier gibt es bedeutend mehr Pflanzenvielfalt als in Deutschland – oder zumindest hatten auch wir mal vor 100 Jahren solch eine prächtige Vielfalt. Die Botaniker unter uns waren glückselig. Die Häuser sind einfach gebaut und die Autos von vor 30 Jahren fahren hier noch immer, meist auf sehr holprigen Straßen. In den Dörfern gehören auch PS-starke Pferdekutschen zum normalen Fortbewegungs- und Transportmittel. Die Lebensmittel sind eher sehr regional, auf den heimischen Märkten ist wenig zugekaufte Ware zu finden. Hier wird noch in der landeseigene Währung Luv gezahlt, 2 Luv sind etwa 1 Euro.

Bulgarien hat viele Traditionen, die, wie es scheint, noch heute auf dem Land gelebt werden. Die Folklorefeste und auch noch einige traditionelle Feste zur Rosenernte sind in einzelnen Dörfern zu finden. Anderswo läuft es kommerzieller ab, mit einer großen Show, weit entfernt davon, wie es einmal war. Ekaterina führte uns zu einem der ursprünglichen Rosenfeste. Auf einem Feld wurden traditionelle Tänze mit entsprechender Musik aufgeführt, während in einer alten Destille die Rosenblätter vor sich hin schwitzten.

 

Ein buntes Dort mitten im Nirgendwo

Sehr spannend war der Ausflug in eines der sehr urspürglich belassenen Dörfer. In Kopriwschtiza versetzte uns das Oslekow Haus – ein Museum – in die Zeit um ca. 1865 und in das Leben eines wohlhabenden Schneiders. Mehrere große Säulen aus Zedernholz stützen die Stockwerke über dem zurückgezogenen, durch eine kleine Treppe zu erreichenden Eingangsbereich. Im Inneren des Hauses schmücken Wandmalereien die funktionalen Räume. Nur in der Küche existiert ein Kamin, der beidseitig die Räume heizte. Im obersten, dank großer Fenster lichtdurchfluteten Geschoss des Hauses, öffnet sich ein Blick über die Dächer in das Dorf hinein. In jedem Raum finden sich traditionelle Kleidungsstücke, wie z. B. ein Mantel aus Wolle für den Schäfer. Ein Wunderwerk, denn er ist schon damals, dank seiner Verarbeitung, auch ohne Chemie regendicht gewesen. Dieses Haus lässt erahnen, wie das Leben zu dieser Zeit gewesen sein muss.

Bei der Revolte der Bulgaren gegen die osmanischen Herrscher am 02.05.1876 begann bei der „Brücke des ersten Schusses“ die Unabhängigkeit. Ein Denkmal in Kalofer erinnert an die Unterdrückung durch die Türken und die beiden Weltkriege. Bulgarien hat in seiner Geschichte sehr viel mitgemacht. Wir haben dieses einmalige Land im ländlichen Bereich erleben dürfen, einfach und arm, doch reich an gesunder und ursprünglicher Natur. Wie die Rose, bei der Dornen und Blüte so nahe beieinander liegen.

Unser Fazit: Die Rosenreise ist für jeden der die Rose auf eine einzigartige Art und Weise mit dem Herzen kennen lernen möchte einfach empfehlenswert!

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