Viele Blogger und digitale Nomaden kommen aus einem 9-to-5-Job. Doch wer im Gesundheitswesen arbeitet, weiß, was es heißt, 24/7/365 Stunden/Tage im Jahr für andere Menschen da zu sein. Denn dort steckt man oftmals im Wechselschichtsystem, arbeitet somit rund um die Uhr, Wochenende und Feiertage inklusive. Man ist immer für seine Klienten da, hat immer ein offenes Ohr und muss eine Menge Geduld und Ausdauer mitbringen. Im Pflegeberuf kommt man seinen Klienten und ihren Lebensgeschichten hautnah, man ist mit Leid konfrontiert wie selten sonst im Leben.

Das kann ganz schön anstrengend und auslaugend sein. Zudem ist es schwer, einen gesunden Lebensrhythmus aufzubauen und den Anschluss ans soziale Leben nicht zu verlieren. Mir ist ein junger Blogger aufgefallen, der als Rettungssanitäter arbeitet und nun mit seinem Online Business durchstartet. Ich stelle euch Christoph Benedikt von WABE.life vor. Wir haben ein spannendes und langes Interview geführt. Alles rund um die Thematik „vom sozialen Beruf – rein in die Online-Selbstständigkeit“.

 

Wie kamst Du auf die Idee, die Ausbildung im Gesundheitswesen zu machen?

Über meinen Zivildienst kam die Idee, die Ausbildung zum Sanitäter zu machen. Es war eine Ausbildung mit 260 Stunden Umfang. Seit 2002 arbeite ich nun im Rettungsdienst und bin als Einsatzleiter ehrenamtlich mit dabei.

 

Was war der Grund, warum Du im Gesundheitswesen gearbeitet hast?

Nach dem Zivildienst habe ich zwar eine Ausbildung zum Mediendesigner gemacht, war aber gleichzeitig immer im Rettungsdienst tätig.

 

Was hat Dich emotional sehr berührt?

Es sind nicht die Unfälle und schlimmen körperlichen Verletzungen, die mich sehr berühren. Eher ist es eine kleine Geschichte, die sich an Weihnachten im Nachtdienst zutrug. Ein Notruf über einen beabsichtigten Selbstmord erreichte die Zentrale. Vor Ort kamen wir zu einem älteren Herrn, der sich das Leben nehmen wollte. Er hatte zuvor für die ganze Familie gekocht, die jedoch nicht gekommen waren. Denn seit Jahren schwelte ein alter Konflikt in der Familie. Dennoch hatte er sie immer wieder eingeladen und sehr gehofft, dass die Familienangehörigen kommen würden. Sogar der Tisch war fertig eingedeckt.

Unsere Mannschaft bestand aus vier Personen, zwei Sanitäter und zwei Polizisten. Über die Polizei konnten wir die Angehörigen ausfindig machen. Die wohnten nur ein paar Straßen weiter, und ich bin mit einem der Polizisten zu ihnen gegangen. Unser Anliegen war es, die Familie wieder zusammenzubringen. Wie sich herausstellte, hatten die Angehörigen des Mannes einfach nur Angst und benötigten etwas Unterstützung, um wieder in Kontakt zu kommen. An diesem Abend gelang es uns, die Familie zu vereinen, und wir sind nach einem zusammen angestimmten Weihnachtslied wieder zur Wache gefahren. Diese Geschichte hat mich sehr berührt.

 

Was war Dein schlimmstes Erlebnis im Laufe deines Jobs?

Da erinnere ich mich daran, wie ich das erste Mal mit der Verantwortung als Einsatzleiter zu einem Einsatz gerufen wurde, weil sich jemand vor dem Zug geworfen hatte. Es war mitten in der Nacht und wir sind mit der Polizei angerückt. Es war sehr unangenehm, was ich zu Gesicht bekam. Daher gibt es auch ein Kriseninterventionsteam, das sich um uns kümmert.

Ich habe meine Skills gefunden und weiß, was mir gut tut. Für mich zählen unter anderem gutes Essen, Musik und Sport. Das sind einige meiner Methoden, um solche schlimmen Dinge zu verdauen. Was auch zu erwähnen ist: Die Uniform ist ein sehr wichtiger Teil der Psychohygiene! Damit kann ich die Ereignisse besser „ablegen“ – mitsamt der Kleidung.

 

Was hat Dich an Deine Grenzen gebracht?

Ganz klar die Flüchtlingskrise. Ein Einsatz an der Grenze zu Ungarn hat mich an meine Grenzen gebracht. Wir haben dort medizinische Versorgung geleistet, Lebensmittel verteilt, haben uns um Grundbedürfnisse gekümmert und Lazarette aufgebaut. Das waren schon heftige Eindrücke. Es waren circa 580 000 Menschen, Flüchtlinge in 2 Monaten, und 900 Mitarbeiter vom Rettungsdienst am Tag.

 

Wo fiel es Dir schwer, Dich abzugrenzen?

Beim Thema Flüchtlinge. Ich hatte die Medienberichte gelesen und war selbst vor Ort. Das hat überhaupt nicht zusammengepasst. Darüber habe ich lange nachgedacht, um selbst damit klarzukommen.

 

Was magst Du an der Arbeit mit Menschen?

Das Coole an der Geschichte ist, dass die Problem nicht so groß sind, wie sie erst erscheinen. Kleine Maßnahmen können richtig Großes bewirken. So kann man mit einem taktischen Vorgehen Probleme auf einfache Weise lösen.

Die DANKBARKEIT im Gesicht eines Menschen zu sehen, ist sehr schön. Das Miteinander im Team ist wichtig, um für schwierige Situationen gute Lösungen zu finden.

 

Welche Kompetenzen nimmst Du aus der Arbeit im pflegerischen Umfeld ins digitale Blogger-Leben mit? 

Die Menschenkenntnis. Zu erkennen, was der andere will, was er braucht. Bedürfnisse erkennen. Im Bloggerleben will man Mehrwert liefern. Daher muss man eine Zielgruppenanalyse machen und daraus ein Konzept erstellen.

 

Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor – Best Case – Worst Case?

Best Case: Reisen, ich möchte ganz viel reisen. Ich möchte dennoch kein Reiseblogger sein, sondern mein Online Business WABE.life soll meine Haupteinnahmequelle sein. Ich möchte anderen Neulingen im Online Business Mut machen. Langfristig möchte ich weg von der Kundenbetreuung hin zum passiven Einkommen mit meinen eigenen Produkten. Was ich aber auch nicht so recht möchte, ist jahrelanges Reisen, denn ich bin gern zu Hause. Doch nach zwei Monaten liebe ich es, wieder aufzubrechen und in die große weite Welt hinauszugehen.

Worst Case: Na, dass der Blog eben nicht so profitabel läuft, und ich in einer Werbeagentur sitzt. So schlimm sehe ich das jedoch nicht. Denn dann muss ich eben etwas Neues ausprobieren.

 

Bist Du beruflich schon dort, wo Du sein möchtest?

Ich sehe mich ganz klar noch am Anfang meines Online Business‘, bin aber sehr motiviert dabei, es langsam Stück für Stück aufzubauen.

 

Wie ist Deine bevorzugte Art zu Reisen – abenteuerlich oder bequem?

Auf jeder Reise muss es ein Abenteuer geben. Sei es quer durch den Urwald von Bolivien, in Marokko auf einen Viertausender durch die Wüste zu steigen, in Bangkok durchs Gewusel der Stadt in eine Richtung zu laufen. Doch am Abend in einem feinen schicken Bett im Hotel zu schlafen, ist viel wert. Ich plane nicht zu viel, sondern gehe gerne drauflos und schaue, was sich ergibt. Ich habe auch schon einen Strandbuggi ausgeliehen und los geht’s ins Abenteuer. Manchmal reise ich alleine, mal bin ich mit Freunden unterwegs. Beides hat seine Vor- und seine Nachteile. Allein unterwegs zu sein, bringt eben bei dem, was man erleben möchte, extreme Freiheiten mit sich.

 

Unter „auf Reisen arbeiten“ versteht jeder etwas anderes – wie sieht Dein idealer Arbeitstag auf Reisen aus?

Der gleicht erstaunlicherweise mittlerweile fast meinem Arbeitstag zu Hause, da ich auch zu Hause ortsunabhängig arbeite und nicht immer am gleichen Ort bin. Über die Zeit habe ich eine gewisse Routine erlangt. Ich stehe gerne mit dem Sonnenaufgang auf und mache dann eine Runde Sport. Je nach Wetter ein kleines Workout oder laufen. Wenn ich mal frei habe, Bergsteigen, Klettern oder Mountainbiken. Auch wenn es Überwindung kostet, gibt es im Anschluss eine kalte Dusche und ein veganes Frühstück. Aktuell lebe ich circa 70 % vegan, sonst darf es auch gern mal Mamas Schweinebraten sein. Ich sehe das nicht so eng und möchte auf gewisse Gerichte nicht verzichten. Alles, was an Arbeit ansteht, gehe ich noch im Laufe des Vormittages an. Da beginne ich mit den unangenehmsten Sachen (wie Buchhaltung), damit ich es schnell hinter mir habe. Am Nachmittag ist Freizeit mit Freunden angesagt.

 

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Arbeit am Menschen und dem Online-Geldverdienen?

Eigentlich schon. Wenn man mit einem Online Business Geld verdient, gibt es einen Mehrwert für den Menschen. Genauso ist es im Gesundheitswesen, dort hat die Anwesenheit für den Betroffenen einen Mehrwert. Mit meinem Blog möchte ich mit vielen Informationen einen großen Mehrwert für meine Leser bieten.

 

Welches ist Dein Lieblingsland oder könnte es werden?

Eine echt schwierige Frage! Bolivien war sehr cool. Die Lebensweise dort war für mich das Highlight – die lockere Einstellung hat mir sehr gut gefallen. Dann fallen mir noch Marrokko, Thailand und die USA ein. Die Mega-Autobahn in Miami war sehr beeindruckend. In Thailand war es die Natur. Ich möchte unbedingt nach Kanada reisen. Denn Kanada ist wie meine Heimat Tirol, nur wesentlich größer.

 

Hast Du ein großes Ziel mit Deinem Blog?

Das große Ziel ist es, anderen Leuten zu vermitteln, dass man es einfach tun muss und es einfacher ist und es immer einen Weg gibt. Ich meine damit, seine Träume umzusetzen. Ich möchte die Leute in die Richtung lenken. Mit wenigen Aktionen kann man viel erreichen. Einfach machen! Ich selbst habe im Laufe der Zeit ein komplett papierloses Büro für mich entwickelt. Es ist möglich.

 

Was hat Dich nachhaltig beeindruckt?

Dass es einfach ein anderes Leben außerhalb von Österreich gibt. Man sagt den Tirolern nach, dass sie mit Scheuklappen durchs Leben gehen, weil die Berge links und recht hochgehen.  Andere Menschen tragen keine Scheuklappen und leben ihr Leben. Und als Digitaler Nomade in Österreich ist man schon ein kleiner „Sonderling“. Viele hier in Österreich haben keine Ahnung, wie das funktionieren kann, als digitaler Nomade zu leben. Daher ist es für mich toll, einen Weitblick zu haben und zu entwickeln sowie zu sehen, dass andere Menschen das bereits so machen.

 

Was hat Dich für Dein digitales Leben beeinfluss?

Dass es machbar ist. Und durch Impulse von außen zu wissen, dass es machbar ist!

 

Möchtest Du noch etwas loswerden und unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Oh, ja klar – Mach es: „Just fucking do it!“ Mach es und setze es um!

 

Vielen Dank Christoph

Mich hat es sehr erstaunt, was er im Laufe der Zeit alles erlebt hat. Es ist immer so ein extrem zweischneidiges Schwert. Ein Job im Gesundheitswesen ist durchaus abwechslungsreich und stattet uns mit einer Vielzahl sozialer Kompetenzen aus. Es gibt also eine Menge Fähigkeiten und Erfahrungen, die wir mitnehmen können in die Selbstständigkeit und das Online Business. Gleichzeitig kann es extrem belastend sein und in die Überforderung führen. Im schlimmsten Fall stumpfen wir zu sehr ab, um das Erlebte verarbeiten zu können.

Christoph packt es sehr gut an, sieht sein Hauptbusiness nun mit WABE.life und fährt nebenher Einsätze. Eine gesunde Einstellung, wie ich finde. Die Balance im Leben muss jeder selbst finden. Wer vor dem großen Knall anfängt, etwas zu ändern, erspart sich viel Leid.

Klar ist es schwer, einen Anfang zu finden! Doch wie Christoph so schön sagt: „Just fucking do it“. Das ist ein gutes Motto, um loszulegen. Der Rest ergibt sich von selbst.

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